Am Leben vorbeigelebt: Wo setzt Wertearbeit an? Teil 1

Aktualisiert: Aug 24

Wir Menschen sind handelnde Wesen – wir haben die Möglichkeit, auf unsere Umgebung, auf das, was passiert, zu reagieren, und zwar über unsere Instinkte hinaus. Wir können Erlebtes reflektieren, in die Zukunft denken und planen. Wir werden aktiv, damit etwas passiert. Wir wissen, um unsere Möglichkeiten, etwas zu verändern, zu wachsen, zu lernen, Ziele zu verfolgen. Dabei erfüllt alles was wir tun – wirklich alles - einen Zweck! Für alles Handeln haben wir einen Grund. Ganz egal ob wir einen Freund/ eine Freundin besuchen, die Badewanne schrubben oder einen Berg besteigen.


Dieses „Für-eine-Zweck-Handeln“ ist etwas, das uns Menschen wie eine Sehnsucht innewohnt. Es ist ein innerer Wunsch nach Orientierung und zugleich Werkzeug, eben diese zu erreichen. Es ist das Verwirklichen unserer Werte und das Erleben von Sinnhaftigkeit.


Weil uns das Leben unfassbar viele Möglichkeiten gibt, zu handeln, zu reagieren, zu gestalten und zu sein, müssen wir schnell lernen, auszusortieren. Wir lernen Muster und Strukturen wahrzunehmen. Die Menschen um uns herum leben uns vor, welche der abertausenden Möglichkeiten zu leben sie sich ausgesucht haben. Wir testen aus, besonders als Kinder, welche anderen Möglichkeiten, aktiv zu werden, noch „drin“ sind. Und werden hier häufig schon stark in die Grenzen gewiesen. Dennoch versuchen wir uns selbst und unsere Vorlieben, unser Empfinden und unsere Persönlichkeit mit einzubringen, versuchen in dem Prozess so gut es geht eine Brücke zwischen uns und den anderen zu schlagen. Dafür sorgt die Lebenskraft in uns. So eignen wir uns langsam aber sicher eine Lebenseinstellung dazu an, was wir im Leben umsetzen können, wie und wo wir aktiv werden können, welche Ziele wir uns setzen können und was wir mit unserem Handeln verwirklichen können. Kurz: Unsere Wertvorstellungen werden hier Großteiles grundgelegt.


Wir brauchen Orientierung. Keine Frage. Und gleichzeitig führt dieses Aussortieren an Möglichkeiten und das „Abschauen von Lebensweisen“ und Wertvorstellungen auch zu einer Automatisierung unseres Daseins. Auch das ist oft überlebenswichtig. Vieles, was wir Tag ein Tag aus tun, tun wir unbewusst und quasi vollkommen automatisch. Und auch dafür können wir sehr dankbar sein, denn so verbrauchen wir wesentlich weniger Energie, es ist effizient und wir haben die Chance, unser Bewusstsein auf wichtige Dinge zu konzentrieren.


Problematisch wird diese Automatisierung und das „Abschauen von Lebens-Möglichkeiten“ genau dann, wenn wir dadurch mehr Zeit im Leben mit Aktivitäten verbringen, die für uns persönlich nicht erfüllend sind. Die an dem vorbei gehen, was sich für uns sinnvoll anfühlt. Dann sind unsere eigenen Werte – das was uns ganz individuell und persönlich ans Leben bindet – irgendwo auf der Strecke geblieben.


Und genau dann, wenn wir diese Lücke zwischen unserer Lebensrealität, unserem Alltag und unseren Wertvorstellungen, bzw. dem Gefühl für Sinnhaftigkeit wahrnehmen und erspüren, dann sind wir da, wo Wertearbeit ansetzen kann.


Denn jetzt wäre der Rückschluss falsch, zu sagen, dass sich das Leben ändern muss, der Job ein anderer sein müsste, die Frau, der Mann oder die Kinder sich ändern müssten… Es gibt Menschen in jeder nur erdenklichen Lebensform und -phase, in jedem Job der Welt, in jedem Alter, die ihr Leben als unfassbar wert- und sinnvoll erleben. Hier gibt es Gott sei Dank keine äußeren Kriterien. Man muss nicht zum Mond fliegen, Krankenpfleger*in sein oder Kinder haben, um die eigenen Werte zu verwirklichen und ein Leben zu erleben, das voller Sinn ist. Was nicht bedeutet, dass in manchen Fällen auch eine Veränderung der äußeren Lebensumstände das richtige ist, um wieder mehr nach den eigenen Werten leben zu können. Nur ist es wichtig, zu wissen: Der erste Schritt ist es, sich die eigenen Werte überhaupt erst einmal bewusst zu machen. Raus aus der Automatisierung, rein ins bewusste Erkunden. Punkt.


Das ist der Anfang von Wertearbeit. Was ist mir im Leben wichtig? Was tue ich Tag ein Tag aus und warum tue ich das? In welchen Lebensbereichen ist mein Leben voll und bunt? Welchen Zweck verfolge ich mit meinem Handeln eigentlich? Gibt es dafür auch andere Wege und Strategien? Ist das Ziel meines Handelns eines, das ich weiterhin in meinem Leben verfolgen möchte, oder habe ich es aus grauer Urzeit übernommen, vielleicht sogar noch aus Angst und darf es nun getrost ablegen? Was spiegeln mir andere Menschen, welche Werte ich verwirkliche? Was liebe ich? Was erfüllt mich mit Freude und Lebensglück? Was treibt mich an (im positiven Sinn)? Was für ein Mensch will ich sein?

So viel für heute. Beim nächsten Mal möchte ich dir noch über einen weiteren guten Grund für die Wertearbeit berichten. Bis dahin, alles Gute. Deine Rosa Zum Workshop "Werte schöpfen statt erschöpfen"




Photo by Hannah Busing on Unsplash

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