Von der Last einer Chance

Es war einmal eine Frau, die lebte in einer kleinen Wohnung und war mit dem Leben so weit zufrieden. Sie hatte alle ihre 7 Sachen und noch mehr bei sich, ihre Wohnung über Jahre, ja schon Jahrzehnte hinweg eingerichtet mit allem Möglichen. Vieles hatte sie von anderen geschenkt bekommen, einiges noch von ihren Eltern.


Und so lebte sie in ihrer eigenen kleinen Welt. Nur sehen konnte sie nicht besonders gut. Das war beinahe schon immer so gewesen. Und daher fiel ihr das gar nicht mehr bewusst auf. Doch ab und an kam jemand vorbei und wenn sie sich so unterhielten über die Schönheit des Lebens in all den kleinen Details, da merkte die Frau, dass ihr wohl das ein oder andere abging.


Eines Tages schenkte ihr jemand eine Brille. Als die Frau sie aufsetzte, erschrak sie. Wie sah es aus in ihrer kleinen Wohnung? Wie schmutzig in manch einer Ecke? Wie viel Zeug? Da etwas kaputt, dort etwas marode. All das hatte sie zuvor nie gesehen. Sicher, da war auch so viel mehr Schönheit, aber die gute Frau hatte gar kein Auge dafür.


Wie soll ich denn jetzt noch zufrieden sein? Wie kann ich jetzt hier so noch leben? Wie ärgerlich all das ist! Diese Brille hat alles ruiniert! Und vor lauter Verzweiflung und Wut riss sie sich die Brille von der Nase, warf sie zu Boden und zertrampelte sie.




Doch als sie den Blick hob, da überkam sie eine viel größere Verzweiflung, denn sie sah ihre Wohnung zwar wieder genau wie zuvor, doch wusste sie nun um die Ecken und Flecken. Sie blickte zu Boden, hob die Scherben hoch und dachte, was habe ich getan?



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